Wenig offenbart so klar die Sorgfalt und Professionalität eines Programmierers wie der Blick in seinen Quellcode. Eine sinnvolle Codeformatierung ist für die Lesbarkeit von Code und damit für dessen Nutzbarkeit und Wartbarkeit essentiell: Codeformatierung ist zu wichtig, um sie zu ignorieren –- oder sie dogmatisch zu behandeln. Die gute Nachricht: Die investierte Disziplin überlebt den eigentlichen Inhalt.
Zusammenhänge und getrennte Konzepte sollten sich in horizontaler und vertikaler Formatierung widerspiegeln. Eine hilfreiche Metapher für die Anordnung vieler kleiner Funktionen ist die der Zeitung: Überschrift, Zusammenfassung und vom Einfachen zum Komplexen. Bei wenigen Programmiersprachen wie Python ist die Einrückung nicht optional, sondern Teil der Syntax, was einige der gröbsten Fehler vermeidet.
Konsistenz ist wichtiger als der konkrete Inhalt von Konventionen. Regeln sollten vom ganzen Team akzeptiert und konsequent befolgt werden. Automatische, ggf. konfigurierbare Werkzeuge zur Codeformatierung, die sich bequem in die Arbeitsabläufe einer Versionsverwaltung integrieren lassen, nehmen hier viel Arbeit ab und ersparen unnötige Diskussionen.
Diese Fragen dienen der persönlichen Beschäftigung mit der Thematik, es werden aber keine Antworten zur Verfügung gestellt.
Es gibt gerade für die Programmiersprache Perl einen Wettbewerb, funktionierenden Code möglichst unleserlich (aber äußerlich attraktiv) zu gestalten. Ein Beispiel wird im Buch gezeigt (kamelförmiger Code). Auf der Seite https://www.perlmonks.org/ gibt es noch viele weitere Beispiele, oft inklusive der Erklärung, was hinter dem jeweiligen Code steckt. In vielerlei Hinsicht ist das, was dort gezeigt wird, das Gegenteil von sauberem Code (clean code).
Eine kommentierte und handverlesene Liste mit weiterführender Literatur zum Thema. Die Auswahl ist zwangsläufig subjektiv.
Die Ausführungen folgen in weiten Teilen jenen in {[martin-rc-2008]}, Kapitel 5. Weitere hilfreiche Erläuterungen zur Formatierung von Quellcode finden sich in Kapitel 31 in {[mcconnell-s-2004]} und, wenn auch eher versteckt, in Kapitel 1 in {[kernighan-bw-1999]}. Dass das Thema Formatierung von Quellcode bereits sehr alt ist und auch Sprachen wie FORTRAN IV kein Grund für dessen Vernachlässigung sind, zeigen Kernighan und Plaugher {[kernighan-bw-1978]}, die (nicht nur) mit dem Titel ihres Buches („The Elements of Programming Style“) direkten Bezug auf den Klassiker der englischen Sprache, den „Strunk und White“ („The Elements of Style“) {[strunk-w-2000]}, nehmen.
Bezüglich der horizontalen Formatierung, insbesondere der Länge von Zeilen, gibt es viele gute Hinweise aus der Typografie. Für Details vgl. die einschlägige Literatur, z.B. {[willberg-hp-2010,forssman-f-2014,willberg-hp-2007]}.
Eine knappe Einführung in Idiome in Programmiersprachen in Abgrenzung zu Entwurfsmustern (design patterns, vgl. Lektion 17) findet sich in Kapitel 4 in {[buschmann-f-1996]}. Die Python-Community betont die Bedeutung sprachlicher Idiome (pythonic code). Beispiele spezifisch für Python liefern Effective Python {[slatkin-b-2015]}, das Python Cookbook {[beazley-d-2013]} und Python Tricks {[bader-d-2019]}.
Ein unabhängig von der eingesetzten Programmiersprache durchaus lesenswerter Gestaltungsleitfaden (style guide) für Quellcode ist das Python Enhancement Proposal 8 (PEP 8), grafisch aufbereitet von Kenneth Reitz.
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