Eine extrem subjektive Auswahl von in Fachzeitschriften veröffentlichten Artikeln mit Relevanz für das Thema Forschungsdatenmanagement.
Wilkinson, M., Dumontier, M., Aalbersberg, I. et al. (2016). The FAIR Guiding Principles for scientific data management and stewardship. Scientific Data 3:160018. 10.1038/sdata.2016.18.
Originalpublikation der FAIR-Prinzipien. Auch wenn die FAIR-Prinzipien aus meiner Sicht überbewertet werden (und einen starken Fokus auf KI-Anwendungen und Datennachnutzung haben) und dieser Artikel außerdem keine Vorarbeiten zitiert, definitiv eine Pflichtlektüre.
Shankar, K. (2007). Order from Chaos: The poetics and pragmatics of scientific record keeping. Journal of the American Society for Information Science and Technology 58:1457–1466. 10.1002/asi.20625.
Ethnographische Feldstudie zur Bedeutung von Aufzeichnungen in der Wissenschaft von einer promovierten Informationswissenschaftlerin mit molekularbiologischem Hintergrund. Zitiert leider wenig ältere Literatur, liefert aber einige sehr klar formulierte Aussagen von Relevanz für den Umgang mit Forschungsdaten.
Borgman, C. L. (2012). The conundrum of sharing research data. Journal of the American Society for Information Science and Technology 63:1059–1078. 10.1002/asi.22634.
Vergleichsweise alter, aber lesenswerter Artikel (vor den FAIR-Prinzipien), der die grundlegenden Probleme beim Teilen von Forschungsdaten anspricht und die Gründe, warum Forschende Daten nicht teilen wollen, ernstnimmt. Vgl. das Buch „Big Data, Little Data, No Data“ der gleichen Autorin (a.A.o.).
Hey, T., Hey, J. (2006). e‐Science and its implications for the library community. Library Hi Tech 24:515–528. 10.1108/07378830610715383
Sehr frühe Beschreibung der essentiellen Aspekte der e-Science (digitalen Wissenschaft), deutlich vor „The Fourth Paradigm“ (2009).
Hanke, M., Pestilli, F., Wagner, A. S., Markiewicz, C. J., Poline, J.-B., Halchenko, Y.O. (2021). In defense of decentralized research data management. Neuroforum 27:17–25. 10.1515/nf-2020-0037
Plädoyer für dezentralisiertes Forschungsdatenmanagement, bestehend aus heterogenen, aber interoperablen Komponenten (als Alternative zu zentralen oder föderierten Werkzeugen)
Bird, C.L., Willoughby, C., Frey, J.G. (2013). Laboratory notebooks in the digital era: the role of ELNs in record keeping for chemistry and other sciences. Chemical Society Reviews 42, 8157–8175. 10.1039/C3CS60122F
Umfangreiche Studie zu elektronischen Laborbüchern mit spezifischem Fokus auf die Chemie. Sehr viele Hintergrundinformationen, kein Fokus auf einem Produkt. Sehr früh (2013), weshalb die heutigen „key player“ aus der Open-Source-Ecke nicht erwähnt werden.
Paulus, B., Biskup, T. (2023). Towards more reproducible and FAIRer research data: documenting provenance during data acquisition using the Infofile format. Digital Discovery 2:234–244. 10.1039/D2DD00131D.
Ausführlichere Diskussion, wie sich sinnvoller Weise Metadaten während der Datenaufnahme erheben lassen und welche Kriterien entsprechende Lösungen erfüllen müssen, um nutzbar zu sein.
Popp, J., Biskup, T. (2022). ASpecD: A Modular Framework for the Analysis of Spectroscopic Data Focussing on Reproducibility and Good Scientific Practice. Chemistry Methods 2:e202100097 10.1002/cmtd.202100097.
Vorstellung eines Systems zur Datenauswertung, das eine lückenlose Protokollierung aller Verarbeitungsschritte von den Rohdaten zur fertigen Darstellung erlaubt und auf Nachvollziehbarkeit und Reproduzierbarkeit fokussiert. Gleichzeitig ausführlichere Diskussion wichtiger Aspekte der wissenschaftlichen Softwareentwicklung.
Schröder, M., Biskup, T. (2023). LabInform ELN: A lightweight and flexible electronic laboratory notebook for academic research based on the open-source software DokuWiki. ChemRxiv. 10.26434/chemrxiv-2023-2tvct (Preprint)
Ausführlichere Diskussion, was ein elektronisches Laborbuch (nicht) ist und was es können sollte, sowie ein Plädoyer für modulare und flexible Lösungen.